HSV-Idol Uwe Seeler hat sich bei einem Sturz am Knie verletzt. Der 81-Jährige war offenbar in seinem Haus gestolpert und musste daraufhin in ein Krankenhaus transportiert werden, wie die „Bild“ berichtet. Nach einer  Kernspin-Untersuchung folgte aber rasch Entwarnung. „Gott sei Dank ist nichts kaputt. Nur meine alten Verletzungen aus zahllosen Fußballspielen sind wieder ein wenig aufgebrochen. Alles ist nun dick mit Tape zugepflastert”, kommentierte der ehemalige Top-Mittelstürmer (476 HSV-Spiele, 404 Tore) den Unfall. Zur weiteren Pflege muss Seeler nun einige Tage das Bein schonen und auf Ausflüge verzichten. „Meine Frau Ilka wird mich wie gewohnt umsorgen und mich wieder aufpäppeln. Zum Glück ist alles glimpflich ausgegangen. Der Fußball-Gott war bei mir“, witzelte Seeler.

Auf seiner Facebook-Seite hat sich Stadionsprecher und Kult-Sänger Lotto King Karl zum Abstieg des HSV zu Wort gemeldet, von einer rührenden Begegnung nach dem Abpfiff mit Klub-Legende Uwe Seeler berichtet und einen Appell an die Fans gerichtet. Hier Lottos Eintrag: „Nun ist es tatsächlich passiert. Es hat sich lange abgezeichnet, doch nun ist es Realität. Trotz des dritten Heimsieges in Folge. Und wißt Ihr was? Da werden wieder einige Leute hämisch sein, einige werden es uns gönnen und auch über Schadenfreude muß man sich keine Gedanken machen: die kommt sicher! Und vielleicht hat der Eine oder Andere sogar Grund dazu, denn das ist auch klar: diese Wochen und Monate der langen Reden über umgestoßene Böcke und sich beim nächsten Spiel endlich mal belohnen oder beim übernächsten, dann aber bestimmt, haben nicht nur den Abstieg verursacht, sie haben uns auch Sympathien gekostet. Ich bin ein Junge aus der Westkurve, ich war auch mal jung und bin mitgerissen worden von der Dynamik der Kurve – und manchmal nimmt man den Mund auch zu voll. Aber ich weiß heute: manchmal ist eben leider auch Zahltag. Heute war unser Zahltag. Heute gab es die Quittung für viele Situationen in den letzten Jahren, in denen man das Gefühl hatte, es ging nicht darum, daß das richtige gesagt und getan wurde, sondern nur darum, wer das letzte Wort hatte. Irgendwann geht sowas mal schief. Aber ich habe heute und auch des Öfteren in den letzten Wochen einen Club erlebt, der angefangen hat, sich zu bewegen. Zu spät, wie wir jetzt wissen und längst geahnt haben, aber er hat sich bewegt! Und ich habe eine Mannschaft gesehen, die wieder Spiele gewinnen kann und einen Trainer, der weiß, warum! Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können aus ihr lernen. Dies ist die Zeit für Trauer, wir werden darum nicht herumkommen. Ich habe nach dem Spiel Uwe Seeler getroffen, wir haben uns umarmt und er hatte Tränen in den Augen. So ist das an einem solchen traurigen Tag. Aber ein einschneidender Moment ist auch ein wichtiger Moment, je eher wir uns aufraffen, desto besser! Dies ist unsere „Stunde Null“, die Zukunft beginnt genau jetzt! Laßt es uns gemeinsam besser machen! Nur darum kann es von diesem Moment an gehen!“

Uwe Seeler hat nach dem erneuten Trainerwechsel bei seinem HSV die seit dem 26. November 2017 sieglosen Profis in die Pflicht genommen. „Eigentlich ist es doch egal, wer auf der Bank sitzt. Die Mannschaft muss aus den Socken kommen“, sagte die 81 Jahre alte Vereins-Ikone am Dienstag. Dass nach Markus Gisdol und Bernd Hollerbach in Christian Titz in dieser schwierigen Saison bereits der dritte Coach auf der HSV-Bank sitzt, wollte er nicht weiter kommentieren. Angesichts des beachtlichen Sieben-Punkte-Rückstands auf den Relegationsplatz habe er „natürlich große Sorgen“ um den HSV, doch auch weiterhin Hoffnung auf die erneute Rettung. „Ich kann ja nichts machen, als ganz fest die Daumen zu drücken. Das werde ich tun und dabei aufpassen, dass sie nicht platt werden“, meinte Seeler. Er werde „natürlich“ wieder im Volksparkstadion sein.

Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten hat zuletzt einige Male im Volksparkstadion gefehlt. Uwe Seeler schaute die HSV-Spiele im Fernsehen. Die Hoffnung auf das Wunder Klassenerhalt hat der 81-Jährige noch nicht ganz aufgegeben. „Man kann nur die Daumen drücken, aber die sind inzwischen ziemlich platt“, sagte Seeler der „BILD“. Trainer Bernd Hollerbach trägt seiner Meinung nach keine Schuld am Absturz. „Er kann nichts dafür. Im Gegenteil. Holler hat ein bisschen Zug reinebracht“, sagte das HSV-Idol.

Er leidet mit seinem Verein, doch auch Uwe Seeler muss tatenlos mit ansehen, wie der HSV fast alle Chancen auf den Klassenerhalt verspielt hat. Allerdings würde das 81 Jahre alte Klub-Idol seinem Verein auch im Abstiegsfall treu bleiben. „Ich werde das wohl müssen, bei mir gilt: Einmal HSVer, immer HSVer, auch in der zweiten Liga“, sagte Seeler zu „NDR 90,3“. „Es ist sehr traurig. Wir haben genug Zeit gehabt, eine neue Mannschaft aufzubauen.“

Der Rissener Sportverein und der 1. FC Quickborn haben den diesjährigen Uwe-Seeler-Preis für ihre Jugendarbeit erhalten. Das große Idol des HSV übergab heute Rathaus die nach ihm benannte Auszeichnung an Vertreter beider Vereine. Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro teilten sich beide Vereine. Völlig zurecht: Der Rissener SV steigerte die Zahl seiner Nachwuchsteams in den vergangenen fünf Jahren von 16 auf 25. In den 16 Jahren seines Bestehens hat der 1. FC Quickborn 17 Junioren-Teams und eine Mädchenmannschaft aufgebaut. „Es ist mir eine überaus große Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung und Bereitschaft die Vereine Ihre Nachwuchsarbeit vorantreiben“, sagte Seeler. „Im Fußball gilt immer: Gewinnen wollen, verlieren können und hart, aber fair spielen.“

Lange ist es her, doch der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die Zeiten von Franz Beckenbauer beim HSV – inklusive Meisterschaft (1980-1982). Heute wird der „Kaiser“ 70 Jahre alt. In der heutigen Print-Ausgabe der MOPO schreibt Uwe Seeler exklusiv an seinen Freund.Titel MOPO