Klaus-Michael Kühne hatte kürzlich die Stadt Hamburg aufgefordert, den finanziell angeschlagenen HSV zu unterstützen und ähnlich wie bei anderen Unternehmen aus der Wirtschaft, zum Beispiel Hapag Lloyd, als Investor einzusteigen. Im NDR nahm Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zu diesem Vorschlag Stellung: „Es wäre etwas sehr Ungewöhnliches, wenn eine Stadt Anteilseigner an einem Profisportverein wird. Das wäre auch nichts, was wir als Senat mal eben so entscheiden könnten, das wäre etwas sehr Besonderes“, sagte der Politiker und betonte: „Ich kann mich auch nicht erinnern und weiß nicht, ob das irgendwo in Deutschland üblich ist, dass der Staat sich in das Sportgeschäft aktiv einmischt. Das machen wir in Hamburg auch nur dann, wenn es – wie bei Hapag Lloyd – wirklich um Standortinteressen geht und wo wir über die Anteilskäufe letztlich irgendwann auch wieder eine Dividendenerwartung haben, um aus diesem Engagement kein Zusatzgeschäft zu machen. Da ist Hapag Lloyd sehr gut unterwegs und deshalb kann man die Dinge nicht vergleichen.“

Der verschossene Elfmeter von Filip Kostic hatte zwar keine Konsequenzen, weil Luca Waldschmidt im Nachsetzen zum 3:1 in Wolfsburg traf, wird aber für den Serben dennoch Folgen haben. Neben Trainer Christian Titz, sagte auch Aaron Hunt, dass Kostic nicht in Frage käme, wenn der HSV demnächst wieder einen Strafstoß zugesprochen bekommen sollte. „Filip hatte jetzt zwei Versuche. Wir haben genügend andere Schützen“, sagte Hunt, der im Elfmeter-Ranking des HSV eigentlich vor Fiete Arp auf Platz eins steht, am Sonnabend allerdings Bobby Wood den Ball vor dem 1:0 überließ. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Verwandelte Elfmeter sind nämlich beim HSV eine Rarität. Von den letzten sechs Strafstößen waren nur zwei drin. Vor Wood hatte Sejad Salihovic am 14. Oktober 2017 beim 2:3 in Mainz getroffen. Vor dem „doppelten Kostic“ hatten Hunt (beim 2:2 gegen Freiburg, 18.2.2017) und Johan Djourou (beim 2:1 gegen Schalke, 20.12.2016) verschossen.

Der HSV tritt die Reise zum Gastspiel bei Eintracht Frankfurt am Sonnabend mit breiter Brust an. Drei Siege aus den vergangenen vier Partien haben bei den Hamburgern das Selbstvertrauen gestärkt. Bei den Hessen ist das Gegenteil der Fall, wie Verteidiger Omar Mascarell nach der Niederlage beim FC Bayern (1:4) eingestand: „Wir gehen sehr angeschlagen aus dem Stadion. Wir müssen selbstkritisch sein, uns stabilisieren, noch sechs Punkte holen, alle zusammenrücken und bis zum Ende kämpfen. Wir wollen unbedingt nach Europa und müssen die Negativserie sofort stoppen.“ Der HSV braucht einen Sieg, um die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

Mit welcher Einstellung gehen die Profis von Eintracht Frankfurt am Sonnabend in das Duel mit dem HSV? In den vergangenen Wochen und vor allem zuletzt beim mit einer Reserve-Truppe angetretenen FC Bayern (1:4) wirkte das Team blutleer. Sportvorstand Fredi Bobic attackierte die Spieler heftig. „Bei der Leistung fehlen mir schon die Worte. Wenn wir so weiterspielen, holen wir keinen Punkt mehr. Die Mentalität hat nicht gestimmt“, stellte er fest. Auch Trainer Niko Kovac, den es zur neuen Saison zum Rekordmeister nach München zieht, zeigte sich enttäuscht: „Es hat nicht jeder alles gegeben. Ich werfe meinen Spielern vor, dass sie einfach denken, es geht mit links.“

Sammelt der HSV von seinen Fans mehr als 3,5 Millionen Euro ein? Seit Freitag können sich Anhänger um eine lebenslange Mitgliedschaft im Verein bewerben. Bis zum 6. Mai können Anträge eingereicht werden, ab dem 1. Juni ist sie gültig. Die Anzahl der lebenslangen Mitgliedschaften ist angelehnt an das Gründungsjahr des Klubs auf 1887 begrenzt und kostet einmalig 1887 Euro. Sollten alle Karten verkauft werden, würde das eine Einnahme in Höhe von 3.560.769 Euro bedeuten. „Die generierten Mittel werden für Investitionen im HSV e.V. verwendet, die langfristig zur weiteren finanziellen Sicherheit des Vereins beitragen und damit die Basis für Leistungen und Aktionen für alle HSV-Mitglieder bilden“, heißt es im Bericht des Präsidiums um Bernd Hoffmann auf der Internetseite des Klubs. Das Geld fließt also nicht in den Profikader. Und welche Vorteile hat der Abschluss der lebenslangen Mitgliedschaft? Diese Antwort gibt es vom HSV: Hochwertige Willkommensbox mit personalisiertem HSV-Fanschal und vielen Überraschungen, persönlicher Mitgliedsausweis im besonderen Design, lebenslange Mitgliedsurkunde, volles Stimm- und Mitspracherecht im HSV e.V., Vorkaufsrecht für alle Heim- und Auswärtsspiele, HSVLive als e-Magazin oder auf Wunsch als Printmagazin, regelmäßige Newsletter per E-Mail mit Infos zum HSV, Zugang zu vielfältigen Fanartikeln des SC-Merchandise, Supporters News (bei Mitgliedschaft im HSV Supporters Club).

 

 

Passquoten von über 80 Prozent waren unter Markus Gisdol und Bernd Hollerbach die absolute Ausnahme, meist lag der HSV klar darunter. Das hat sich unter Christian Titz fundamental geändert. Schon zum fünften Mal unter Titz kamen in Wolfsburg mehr als 80 Prozent der HSV-Pässe an. Lewis Holtby hatte klar zum Ausdruck gebracht, dass ihm diese Art des Fußballs deutlich besser schmeckt – und das auch auf dem Platz gezeigt. Holtby selbst wies gemeinsam mit Aaron Hunt allerdings die schwächste Passquote des HSV auf. Der Wert betrug aber immer noch 67 Prozent. Unter Gisdol und Hollerbach wäre das noch ein guter Wert innerhalb der HSV-Mannschaft gewesen.

Wenn Christian Titz gefragt wird, was sich seit seiner Beförderung aus dem Nachwuchs zu den Profis für ihn geändert hat, gibt der Trainer des HSV eine überraschende Antwort: „Eigentlich gar nicht so viel. Ich habe es vorher genauso geliebt, mit meiner Mannschaft auf dem Platz zu stehen und zu arbeiten.“ Eines sei jedoch komplett anders: „Der größte Unterschied ist die Atmosphäre. Es macht schon etwas aus, ob da 100 oder 50.000 Zuschauer im Stadion sind. Die Art, wie unsere Fans das Team begleiten, das beflügelt uns. Sie sind Gold wert. Wir alle sind Menschen und wenn da welche stehen und uns niederschreien und gegen dich angehen, dann wird es schwerer, die Dinge positiv zu gestalten. Fußball ist ein Kopfspiel – und für uns sind die Anhänger der zwölfte Mann.“

Nach dem 3:1 des HSV beim VfL Wolfsburg ist es am späten Sonnabend offenbar zu heftigen Auseinandersetzungen von HSV-Fans mit Anhängern von Hansa Rostock gekommen. Gegen 20.30 Uhr stoppte die Polizei in Nienburg einen Zug, in dem es nach Angaben der Beamten zu Schlägereien zwischen den Fangruppen gekommen war. Die Auseinandersetzungen hätten am Bahnsteig noch bis 22.45 Uhr angehalten, heißt es. Aus einer Gruppe von knapp 100 Anhängern von Hansa Rostock heraus seien die HSV-Fans angegriffen worden, berichtet die Polizei. Dabei seien mehrere Personen leicht verletzt worden. Es sollen diverse Fanartikel geraubt worden sein. Nach den polizeilichen Maßnahmen wechselten die HSV-Anhänger den Zug und konnten Richtung Heimat weiterfahren. Gegen fünf Fans wird wegen Körperverletzung, Raub und Landfriedensbruch ermittelt. Die Fan-Szene von Hansa Rostock fällt immer wieder negativ auf. Der Verein hat ein großes Problem mit rechtsradikalen Hooligans, die Woche für Woche für Unruhe sorgen. Am vergangenen Sonnabend waren die Rostocker nach einem 0:0 im Drittliga-Spiel bei Fortuna Köln auf der Heimreise.