Die These, dass ein Abstieg für den HSV eine heilsame Zäsur sein könne, wurde auch im TV-Talk „Sky 90“ aufgegriffen und von Ex-Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen deutlich zurückgewiesen. „Das ist der größte Blödsinn aller Zeiten.  Ich bin Eintracht Frankfurt abgestiegen und habe erlebt, wie schwer das ist“, sagte er. „Nein, das kostet sehr, sehr, sehr viel Geld, das man in der Fernsehtabelle in fünf Jahren gar nicht aufholen kann. In Hamburg ist das ein elementarer Einschnitt und tut richtig weh.“ Der HSV sei „kein Chaos-Verein, es ist ein gut aufgestelltes Unternehmen“, sagte er. „Aber die Zweite Liga tut nicht gut, sie tut richtig weh.“ Auch Ewald Lienen, Technischer Direktor des FC St. Pauli, würde einen Abstieg des HSV bedauern. „Ein Erstligist wie der HSV ist für eine Weltstadt wie Hamburg lebensnotwendig“, sagte er.

Mit seiner starken Leistung gegen Freiburg (1:0) zählte Torwart Julian Pollersbeck zu den Matchwinnern. Doch die sportliche Zukunft des 23-Jährigen ist trotz Vertrags bis 2021 ungewiss. Würde er mit dem HSV auch in die Zweite Liga gehen? Müsste der Keeper nicht, denn laut „Abendblatt“ ist Eintracht Frankfurt daran interessiert, Pollersbeck als Nachfolger von Lukáš Hrádecký zu verpflichten, der die Hessen verlassen wird. Allerdings: Mit dem dänischen Nationaltorhüter Frederik Rönnow (25, Bröndby IF) hat Frankfurt bereits einen Torwart für die neue Saison verpflichtet. Sportvorstand Fredi Bobic sagte dazu: „Damit haben wir eine wichtige Planstelle geschlossen.“

Jetzt ist es offiziell: Niko Kovac wird neuer Trainer von Bayern München. Das bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitag. Der 46-Jährige wechselt von Eintracht Frankfurt nach München und erhält einen Dreijahresvertrag. Genau wie „Brazzo“ Salihamidzic hat auch Kovac eine HSV-Vergangenheit. Zwischen 1999 und 2001 absolvierte der Mittelfeldspieler 55 Bundesliga- und sechs Champions-League-Spiele für Hamburg. Kovac‘ Tor zum 4:3 beim legendären 4:4 gegen Juventus Turin ist als Highlight in die Vereinshistorie eingegangen. Vom HSV wechselte er zu den Bayern, zu denen er nun im Sommer zurückkehren wird.

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Das Fußball-Jahr ist auf der Zielgeraden, bei den Klubs haben längst die Planungen für die kommende Saison begonnen. Und sollte der HSV tatsächlich absteigen, was kaum noch zu verhindern ist, dann wird der eine oder andere Spieler weich fallen. Im Fokus einiger Vereine steht Rick van Drongelen, besonders hartnäckig haben Eintracht Frankfurt und Ajax Amsterdam ihr Interesse an einer Verpflichtung bei Berater Wessel Weezenburg hinterlegt. Der 19-jährige Innenverteidiger, derzeit bei der niederländischen U21, steht beim HSV zwar bis 2022 unter Vertrag, zählt aber zu den wenigen Spielern, mit denen der wirtschaftlich so angeschlagene Klub eine lohnende Ablöse erzielen könnte.

Als Douglas Santos den HSV in der 25. Minute mit 1:0 in Führung geschossen hatte, war statistisch gesehen eine Niederlage eigentlich kaum noch möglich, der HSV aber macht eben auch Unmögliches möglich. Hintergrund: Die Berliner konnten zuvor in der gesamten Saison keine einzige Partie mehr drehen, in der sie in Rückstand geraten waren. Für die Hamburger war es die erste Führung seit dem 16. Spieltag und dennoch sprang wieder nichts Zählbares heraus. Damals hatte man 1:0 gegen Frankfurt geführt, am Ende hieß es ebenfalls 1:2.

Auch Niko Kovac leidet im Abstiegskampf der Bundesliga mit seinem früheren Verein, dem HSV. „Es tut mir leid, was mit dem HSV passiert. Es gibt viele, die dem HSV wünschen, dass er mal absteigt. Ich gehöre nicht dazu. Der HSV ist ein großer Klub“, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt am Freitag. Der 46-Jährige spielte von 1999 bis 2001 für die Hamburger. „Ich hatte dort zwei wunderschöne Jahre“, sagte er. Besonders verbunden fühlt sich Kovac auch mit Heribert Bruchhagen, der ihn vor zwei Jahren zu Eintracht Frankfurt holte und der am Donnerstag als Vorstandsvorsitzender des HSV abgesetzt wurde. „Ich habe gestern Abend mit Herri gesprochen. Ich verdanke ihm, dass ich hier sitzen darf. Es tut mir auch leid, was mit ihm passiert ist“, sagte Kovac.

U21-Europameister Julian Pollersbeck  und Stammtorhüter Christian Mathenia könnten den HSV im Sommer verlassen. Während Pollersbeck offenbar von Frankfurt und Köln umworben wird, sollen englische Klubs ihr Interesse bei Mathenia hinterlegt haben. Gut für den HSV: Ein Ersatz soll derweil mit Raphael Wolf von Fortuna Düsseldorf bereitstehen. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Im Freundeskreis soll der Keeper bereits sein Interesse verraten haben. Kein Wunder, denn seine Familie lebt in Hamburg. Wolf: : „Ich fühle mich sehr wohl in Düsseldorf, aber natürlich ist und bleibt auch der HSV, mein erster Klub, immer besonders für mich.“ Beim HSV startete der gebürtige Münchner seine Profikarriere, machte aber sein Bundesligadebüt für Werder Bremen. Danach ging es nach Düsseldorf, wo der Schlussmann erheblichen Anteil am momentanen sportlichen Erfolg hat. Im Sommer könnte nun sein Weg zurück an die Elbe führen.

 

Seit einigen Tagen gibt es eine hitzige Debatte um die Mitgliedschaft von AfD-Wählern bei Eintracht Frankfurt, nachdem sich Klub-Präsident Peter Fischer offen gegen Anhänger der Partei gestellt hatte. „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, so Fischer. In seiner Amtszeit würde es „keine Nazis bei Eintracht Frankfurt“ geben: „Es gibt für die braune Brut keinen Platz.“ Er „schäme“ sich für „13 Prozent der Bevölkerung, die die AfD gewählt haben. Ich will ihnen keinen Millimeter Fläche geben“. Die „Frankfurter Rundschau“ bat um eine Stellungnahme anderer Bundesliga-Klubs, die HSV-Führung positionierte sich in ihrer Antwort „generell klar gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass, Rassismus und jede Form der Diskriminierung. Wir übernehmen als multikultureller Verein Verantwortung, zum Beispiel mit verschiedenen Sportangeboten für Geflüchtete und über gelebte Integration im Verein. Unsere Mitglieder tragen und leben diese Grundwerte im HSV. Sollten Mitglieder mit ihrem Handeln dagegen verstoßen, gehen wir gegen ein solches Verhalten bis hin zu einem Ausschluss aus dem Verein konsequent vor.“