Nicht nur in Hamburg, sondern auch in Gelsenkirchen wurde das Duell noch einmal genau analysiert. „Der HSV hat uns jetzt nicht überrascht“, versicherte Manager Christian Heidel nach dem 2:3, „Domenico Tedesco hat es genau so erwartet. Nur: Unsere Spieler haben sich nicht ganz an den Plan gehalten, wie man dagegenhalten soll. Dass es die vielleicht letzte Chance vom HSV war und dass die hier aufdrehen, dass der Rasen da qualmt, war uns allen klar“, so Heidel. Mittelfeld-Antreiber Leon Goretzka stellte fest: „Der HSV hat auf mich in keiner Phase verunsichert gewirkt. Ganz im Gegenteil. Nach den ersten fünf bis zehn Minuten hat man bei uns irgendwie das Gefühl gehabt, dass keiner mehr den Ball haben wollte, weil alle Angst hatten.“

Da zollt sogar der Gegner Applaus. Schalkes Trainer Domenico Tedesco schwärmte nach dem 2:3 beim HSV von Tatsuya Ito. „Den Jungen haben wir nicht greifen können, er war überragend“, so Tedesco, der dem HSV ein prima Zeugnis ausstellte: „Alles, was wir uns vorgenommen haben, hat der HSV gemacht. Es war ein absolut verdienter Sieg.“

Während der HSV um das blanke Überleben kämpft, wollen die Gäste aus Schalke am Sonnabend (18.30 Uhr) einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Erstmals in der Klub-Historie könnte der Revierklub sieben Bundesliga-Siege in Serie einfahren. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass sich das nicht gut anfühlt“, sagte Trainer Domenico Tedesco, „aber wir wollen das Spiel in Hamburg nicht nur deshalb gewinnen, weil wir einen Rekord aufstellen können. Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“

Der FC Schalke 04 reist völlig frei von Personalsorgen zum Gastspiel am Sonnabend nach Hamburg. „Alle Spieler konnten trainieren, alle sind am Start“, sagte Coach Domenico Tedesco. Obwohl der Gegner seit 15 Partien nicht mehr gewinnen konnte und auf den letzten Platz abgerutscht ist, warnt er im Hinblick auf die Partie: „Dort erwartet uns eine schwierige Aufgabe. Wir erwarten den HSV in guter Verfassung. Sie haben schon gegen Hertha BSC super-frisch nach vorne gespielt, hätten zur Pause 3:0 führen können und verlieren am Ende das Spiel. Beim HSV ist die Messe noch nicht gelesen, ich habe sie noch nicht abgeschrieben.“

Schalke-Coach Domenico Tedesco greift bei seiner Arbeit auf die Hilfe eines früheren HSV-Trainers zurück. „Huub Stevens kennt diesen Verein so gut wie kaum ein Zweiter – gerade aus Trainersicht. Ich profitiere sehr von seinem Erfahrungsschatz. Er ist Schalkes Jahrhundert-Trainer, eine Legende. Ich wäre ja verrückt, wenn ich mir seine Tipps und Ratschläge nicht anhören würde“, sagte Tedesco der „Sport Bild“. Und weiter: „Das theoretische Wissen über einen Klub, gerade zu Beginn, ist das eine. Aber sich mit jemanden austauschen zu können, der das Ganze selbst erlebt hat, noch mal etwas anderes. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er sich die Zeit dafür nimmt.“ Am Sonnabend ist Tedesco, der im vergangenen Sommer von Erzgebirge Aue kam, mit Schalke in Hamburg zu Gast.

Das Duell zwischen Schalke 04 und dem HSV ist auch das Duell zweier alter Kollegen: Domenico Tedesco, seit Sommer in Gelsenkirchen im Amt, und Hamburgs Coach Markus Gisdol waren bei 1899 Hoffenheim Kollegen. Bis Oktober 2015 trainierte Gisdol die Profis der TSG, Tedesco übernahm im Sommer 2015 die B-Junioren. Nun treffen sie sich erstmals als Rivalen in der Bundesliga wieder.

Huub Stevens ist „Jahrhunderttrainer“ von Schalke 04 und führte den HSV einst aus dem Abstiegskampf nach Europa. Vor dem Duell seiner Ex-Klubs lobte er in der MOPO den neuen Knappen-Coach Domenico Tedesco. „Er versteht Schalke. Er ist als erster auf dem Vereinsgelände und geht als letzter. Für die Fans hat er immer ein offenes Ohr.“ Stevens hatte sich vor Saisonbeginn mit Tedesco getroffen, beide tauschten sich über das Schalker Pulverfass aus. Der 63-Jährige weiter: „Domenico findet die richtige Mischung aus Kumpeltrainer und hartem Hund. Dabei bleibt er seiner Philosophie und seinen Prinzipien treu.“ So sieht Stevens die „Knappen“ gegen den HSV vorn. Aber: „Wenn Schalke den Fehler begeht und den HSV unterschätzt, glaube ich an Punkte für Hamburg.“