- 13.05.2020

Drama im Volkspark: Werder Bremen ärgert den HSV im Saisonfinale


Miroslav Klose bejubelt den Siegtreffer, der dem HSV Platz zwei kostet. (Foto: Witters)

Hamburger SV gegen Werder Bremen. Es ist ein Duell, das vielleicht auch in dieser Saison noch eine ganz entscheidende Rolle spielen könnte. Während eine Relegation in diesem Jahr im Bereich des Möglichen liegt, ging es heute vor 14 Jahren noch um den Einzug in die Champions League. Der HSV hatte bis zur Vorwoche noch von der Deutschen Meisterschaft geträumt und Werder sich still und leise an den Nordrivalen angepirscht. Am 34. und letzten Spieltag kam es nun zum direkten Duell – und die Vorzeichen sind klar: Punktet der HSV, ziehen die Rothosen auf Platz zwei in die Champions League ein. Gewinnt Werder, schnappen sie dem HSV in letzter Sekunde das Ticket weg.

Alles ist angerichtet. Die Sonne scheint in den Volkspark, wo 57.000 Fans dem Saisonfinale entgegenfiebern. Der HSV braucht vor heimischer Kulisse einen einzigen Punkt, um das Ticket für die Champions League zu lösen. Die Mannschaft von Thomas Doll ist bis in die Haarspitzen motiviert. Thimothee Atouba sorgt für das erste Highlight des HSV, doch der Kopfball des Kameruners geht knapp am Tor vorbei. Die Gastgeber erarbeiten sich ein spielerisches Übergewicht, doch die großen Chancen bleiben zunächst aus. Und so sind es dann auch die Bremer, die in Führung gehen. Nach einem Eckball von Tim Borowski landet der Ball vor den Füßen von Miroslav Klose, der ihn aus der Drehung zu Sturmpartner Ivan Klasnic ablegt. Dieser ist im Fünfmeterraum schneller als Khalid Boulahrouz und drückt den Ball über die Linie (27.).

Auf den Rängen herrscht Schockstarre nach dem 0:1. Und der HSV reagiert wütend. Von der Stimmung der Fans nach vorne gepeitscht, rennt die Mannschaft gegen die drohende Niederlage an. Die beste Chance hat ausgerechnet Ex-Bremer Ailton, der unbedrängt zum Abschluss kommt und den Ausgleich nur um Zentimeter verpasst (34.). Sekunden später verzieht Benjamin Lauth nach einer Atouba-Flanke ebenfalls knapp. Der HSV ist besser, doch es geht mit einem Rückstand in die Halbzeit.

Auch im zweiten Durchgang beginnt der HSV mit einem Sturmlauf. Zunächst köpft Naldo den Ball fast ins eigene Tor (48.), dann ist es David Jarolim, der im Strafraum zu Fall kommt, doch Schiedsrichter Markus Merk lässt weiterspielen (50.). So taucht zwei Minuten später Mehdi Mahdavikia vor dem Sechzehner auf, aber auch sein Schuss verfehlt das Gehäuse von Tim Wiese nur um Zentimeter. Es braucht schließlich eine Standardsituation, um zum Erfolg zu kommen.

Nach einem Freistoß von Piotr Trochowski ist Sergej Barbarez in der Mitte gedankenschneller als Naldo und nickt den Ball zum 1:1 ein. Torhüter Tim Wiese ist noch mit einer Hand am Ball, aber den Einschlag kann er nicht verhindern (59.). Der HSV ist in diesem Moment zurück auf Platz zwei. Werder ist angeknockt und der HSV will jetzt die Entscheidung – ein Tor und die Champions League wäre wohl in trockenen Tüchern. Barbarez dominiert im Angriffsspiel der Hamburger, ist an jedem Spielzug beteiligt und hat dann das Auge für Ailton. Mit einem überragenden Pass setzt er den Brasilianer in Szene, der aus fünf Metern nur noch ins leere Tor einschieben muss, doch ihm versagen die Nerven (70.).

Während der HSV den Matchball liegen lässt, schlagen die Gäste erneut eiskalt zu. Freistoß von Daniel Jensen, Kopfballverlängerung von Naldo und am Fünfmeterraum tauch Klose auf, der den Ball unter die Latte zimmert (72.) – 1:2. Durch seinen 25. Treffer steht Werder nicht nur in der Champions League, sondern auch die Torjägerkanone scheint Klose nicht mehr zu nehmen. Seinen 26. Treffer verpasst er nur, weil Sascha Kirschstein im HSV-Tor noch einmal stark pariert. Auf der Gegenseite vereitelt Wiese gegen Trochowski den möglichen Ausgleich. Die Vorentscheidung für Werder vergibt Borowski, der einen strittigen Elfmeter an den Pfosten setzt (83.).

Am Ende sind es aber dennoch die Bremer, die im Volkspark jubeln. So muss auch ein enttäuschter Thomas Doll einsehen: „Mir fehlen die Worte, wie viele Chancen wir zuletzt vergeben haben.“ Ebenso niedergeschlagen ist Dietmar Beiersdorfer, der jedoch gleich schon die neue Marschrichtung vorgibt: „Tut mir leid für unsere tolle Truppe. Jetzt müssen wir die Champions League vertagen. Aber wir packen sie noch!“ Immerhin: Er soll Recht behalten. Der HSV löst über den Umweg der Qualifikationsrunde am Ende doch noch das Ticket für die Königsklasse. (mab)

Aufstellung HSV: Sascha Kirschstein – Mehdi Mahdavikia, Khaldi Boulahrouz, Daniel van Buyten, Thimothee Atouba – Guy Demel (81. Naohiro Takahara), David Jarolim, Piotr Trochowski, Sergej Barbarez – Benjamin Lauth (89. Bastian Reinhardt), Ailton

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