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„Ins Negative gekippt“: Arp packt aus über seinen HSV-Hype

Fünf Tore aus den ersten sechs Spielen, dazu zwei Vorlagen: Fiete Arps Start beim Odense BK ist mehr als geglückt. Der Stürmer war im Sommer nach vier Jahren bei Holstein Kiel in die dänische Großstadt gewechselt. Die dänische Liga ist fraglos eine respektable Karrierestation, prophezeit wurde Arp einst aber eine noch viel größere Laufbahn. Los ging der Hype im Spätherbst 2017. Nach überragenden Leistungen in der Jugend des HSV (46 Tore in 54 Spielen) wurde Arp zu den Profis hochgezogen, traf in seinen ersten Spielen dreimal und wurde beim chronisch kriselnden HSV prompt zum großen Hoffnungsträger hochstilisiert – mit gerade einmal 17 Jahren.

„Man hat alles crazy überbewertet“, erklärte Arp dem „kicker“ nun rückblickend. Schnell habe er begonnen, bewusst tiefzustapeln, als Gegengewicht zu der ins Unermessliche gestiegenen Erwartungshaltung: „Die gesunde Selbsteinschätzung, die ich eigentlich hatte, ist irgendwann ins Negative gekippt. Ich habe bei allem gegengesteuert, um eine Balance hinzukriegen – bei jeder Erwartung, bei jedem überpositiven Kommentar, bei jeder Lobeshymne. Aus Selbstschutz habe ich mich runtergezogen, um niemandem das Gefühl zu geben, dass ich mich selbst für ein Supertalent halte. Das war meine größte Sorge. Ich wollte niemandem mit dieser Ausstrahlung begegnen“, sagte der 25-Jährige. Am Ende aber dominierten doch die Vorstellungen von außen Arps Selbstbild: „Ich habe mich selber an Dingen gemessen, die nie stattgefunden haben, sondern nur prophezeit wurden. Und zwar von Leuten, mit denen ich noch nie gesprochen habe.“

Umso froher ist Arp nun darüber, in Odense all das gefunden zu haben, was ihn hierzulande belastet hat: „Ich habe gesagt: Egal wohin, aber Hauptsache erstmal raus aus Deutschland. Viele der Dinge, die ich gesucht habe, liegen einfach außerhalb von Deutschland: eine andere Grundatmosphäre im Alltag, eine andere Arbeitsethik, eine andere Art, das Leben anzugehen.“ Odense als „kleines, beruhigtes Städtchen“ scheint für Arp derzeit die perfekte Adresse zu sein. Seine Torausbeute spricht für sich.