„Kann nicht zufrieden sein“: Gräfe kritisiert Derby-Schiri Exner hart
Das Nordderby gegen Werder Bremen dürfte vielen HSV-Fans nicht nur aufgrund des Ergebnisses noch schwer im Magen liegen. Auch die Schiedsrichterleistung war zumindest streitbar. Das sieht auch Ex-Referee Manuel Gräfe so, der die Spielleitung von Florian Exner für die „Bild“ analysierte. „Er musste dem Tribut zollen, dass er erst 20 Spiele hatte. Die Ansetzung war sehr gewagt, einen solch unerfahrenen Schiedsrichter für solch ein Spiel anzusetzen“, bilanzierte der 52-Jährige am Sonntag. „Nur großzügig zu leiten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Man muss den Spielern auch vermitteln, was erlaubt ist und was verboten ist, und erst recht, was verboten dreckig ist.“
Gräfes Fazit fällt eindeutig aus. „Das gelang ihm nicht, deshalb artete das Spiel immer mehr aus. Zum Teil lagen zwei oder drei Spieler am Boden.“ Exners Fehler lieferten Gräfe reichlich Material für Kritik. „Er übersah auf offener Tanzfläche die erste rote Karte. Der Werderaner grätscht zwar am Boden, ist aber klar vorher am Ball. Dann kann ich nicht mit den Stollen voran aufrecht auf dem Bein des anderen landen und mit dem anderen Fuß auch noch drauf“, ordnete Gräfe die Szene um Philip Otele ein. „So kann man nicht agieren. Diese Szenen müssen raus. Die haben Überhand genommen und ich verstehe auch die Relativierung des Schiedsrichters im Nachhinein nicht.“
Im Fall um Bakery Jatta, der zunächst des Feldes verwiesen wurde, ist Gräfe im Ergebnis auf einer Linie mit Derby-Schiri Exner. „Das war für mich auch Gelb. Nachvollziehbar, dass Katrin Rafalski ihn da hinausbeorderte. Aber es ist nicht die Mutter aller Fehlentscheidungen“, nimmt der Ex-Profi-Unparteiische den jungen Exner in Schutz. „Es wäre für mich falsch gewesen mit Rot, aber auch nicht die glasklarste Fehlentscheidung. Letztendlich trifft er (Jatta) ihn (Grüll) in hohem Tempo von seitlich hinten. Dadurch und mit dem Fuß am Boden rutscht der Bremer selber weg. Eigentlich final die richtigen Entscheidungen, aber der Weg dahin nur über den VAR möglich.“
Mit vier roten Karten könne „ein Schiedsrichter nie zufrieden sein. Wird er auch nicht sein. Und wenn er hinterher noch von Spielern für den Umgang kritisiert wird, dann muss man sich als junger Schiedsrichter schon fragen: War das so das Goldene? Und was ist der Weg für die Zukunft?“ Eine Lösung hat Gräfe auch parat. „Ein bisschen mehr Sicherheit und ein bisschen mehr Klarheit und ein Umgang auf Augenhöhe mit den Spielern sind immer wünschenswert.“
