Der HSV würde sich gern verstärken, konnte aber bisher noch keinen Abschluss vermelden. So bleibt Bernd Hollerbach („Der Sportchef kennt meine Wünsche“) nur ein neidvoller Blick zur Konkurrenz im Abstiegskampf: Werder Bremen holt Rechtsaußen Milot Rashica (21) vom niederländischen Erstligisten Vitesse Arnhem. „Der Wechsel steht kurz vor dem Abschluss, es fehlen nur noch einige Details. Nach dem Ausfall von Fin Bartels haben wir nach einem Spieler geschaut, der eine gewisse Geschwindigkeit und ähnliche Spielanlagen in der Offensive mitbringt. Milot ist ein Spieler, der genau in dieses Anforderungsprofil passt und uns sofort weiter hilft. Ich gehe davon aus, dass er bereits morgen mit der Mannschaft trainieren wird“, sagte Werder-Manager Frank Baumann.

Heribert Bruchhagen bleibt im Streit mit den Würzburger Kickers um die Ablösemodalitäten für Trainer Bernd Hollerbach gelassen. „Ich denke mal, dass wir die Dinge schon klären werden“, sagte Bruchhagen beim Sportbusiness-Kongress SPOBIS in Düsseldorf. Zuvor hatten die Kickers eine Einigung dementiert und den Hanseaten eine Frist für ein verbessertes Angebot gesetzt.“Ich habe das auch gelesen und die Würzburger haben uns auch geschrieben, dass sie eine andere Position haben“, betonte Bruchhagen, der sich von dem gesetzten Ultimatum (Mittwoch, 12 Uhr) nicht aus der Ruhe bringen lässt: „Da muss man erst einmal abwarten. Ich habe eine Einigung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden erzielt, und ich hatte keinerlei Argwohn, dass er nicht autorisiert ist, diese Einigung herbeizuführen.“

Beim SPOBIS, Europas größtem Sportbusiness Event in Düsseldorf, nimmt Heribert Bruchhagen derzeit an einem Talk mit RB Leipzig-Boss Oliver Minzlaff und Gladbachs Sportchef Max Eberl teil. Auf die Frage, ob er den Abgang von „Shooting-Star“ Fiete Arp im Sommer befürchte, antwortete der HSV-Vorstand ausweichend: „Ich sehe ihn nicht als Shooting-Star, der Begriff kommt mir zu früh. Er ist der beste Spieler seines Jahrgangs, als solcher auch ausgezeichnet worden, doch was über ihn geschrieben wird, muss ja erst auf dem Platz bestätigt werden. Er hat seine Qualität in der Bundesliga angedeutet, aber was ihm jetzt auch an Verantwortung im Abstiegskampf aufgetragen wird, ist mir doch zu groß.“

Der Streit zwischen den Würzburger Kickers und dem HSV um eine Ablösezahlung für Bernd Hollerbach ist noch nicht beigelegt, Sanktionen müssen die Hamburger aber laut dem Frankfurter Rechtsanwalt Horst Kletke, einem Experten für Fußball-Arbeitsrecht, nicht befürchten. „Was den verbandsrechtlichen Teil betrifft, gibt es für Spieler eine Registrierung und Erteilung der Spielerlaubnis. Bei Trainern existiert nichts Vergleichbares“, sagte Kletke im „Kicker“-Interview. Was Würzburg nun tun könne? „Der Klub könnte seinen Ex-Cheftrainer beim Arbeitsgericht verklagen auf Erbringung der Arbeitsleistung. Vorgeschaltet ist ein obligatorisches Schlichtungsverfahren beim DFB. So eine Klage wäre allerdings ziemlich widersprüchlich, weil Hollerbach mittlerweile fast ein Jahr freigestellt ist und man keinen Wert auf seine Arbeitsleistung legt. Seine Stelle ist längst neu vergeben, Würzburg kann ihm also auch keine Arbeit als Cheftrainer zuweisen.“ Eine Schadensersatzklage, so der Jurist, würde keinen Sinn machen: „Welcher Schaden soll entstanden sein? Im Grunde genommen kann Würzburg froh sein, dass die Gehaltszahlungen, auf die man sich vermutlich im Zuge der Freistellung geeinigt hat, nun enden. Ich sehe keine Handhabe gegen Bernd Hollerbach.“ Ebenso wenig drohe dem HSV nun Unheil. Kletke dazu: „Theoretisch könnte einem viel einfallen, zum Beispiel Anstiftung zum Bruch des Arbeitsverhältnisses, was auf der nationalen Ebene aber keine Rolle spielt. Außerdem trifft es denn Sachverhalt nicht, dazu hätte der HSV im März 2017 auf eine Freistellung von Hollerbach in Würzburg hinwirken müssen. Der Trainer hat im Gegensatz zu aktuellen Fällen bei Spielern auch überhaupt nicht versucht, sich den Weg freizupressen nach dem Motto: Ich komme nicht mehr zum Training, damit ich irgendwie aus meinem Vertrag rauskomme… Außerdem steht der HSV zu Würzburg in keinem Liga-Konkurrenzverhältnis.“

Am Sonntag tritt Hannover 96 beim HSV an und vor dem Nordderby zündet André Breitenreiter die nächste Stufe im Dauerzoff mit den eigenen Fans, die aufgrund der Übernahmepläne von Präsident Martin Kind einen Stimmungsboykott durchziehen. „Die Jungs freuen sich ja schon fast mehr auf Auswärtsspiele als auf Heimspiele“, berichtete der Trainer und stellte fest: „Es ist einfach schade und frustrierend. Das, was die Mannschaft leistet, ist Identifikation pur mit dem Verein und der Stadt. “ Breitenreiter stärkte auch seinem Boss Kind demonstrativ den Rücken: „“Welcher Verein bietet mehr Tradition und Identifikation als Hannover 96? Das geht schon beim Präsidenten los, der 20 Jahre hier ist. Andere Traditionsvereine würden sich so einen Präsidenten wünschen. Aber diese Klubs sind von der Fußballlandkarte verschwunden, retten sich von Insolvenz zu Insolvenz. Unser Präsident hat den Verein großgemacht und dahin geführt, wo er heute steht.“

Der HSV wollte sich mit Admir Mehmedi verstärken, blitzte aber bei Bayer Leverkusen ab. „Wir haben uns um den Spieler bemüht, es wurde uns aber klar mitgeteilt, dass er nicht zu haben sei“, bestätigte Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen. Das gilt aber offenbar nur für das Leih-Angebot des HSV, denn nun gibt der Werksklub den Schweizer Angreifer doch noch ab: Der VfL Wolfsburg, ein Konkurrent der Hamburger im Abstiegskampf, verpflichtet Mehmedi laut „Kicker“ für zehn Millionen Euro.