Durch das 2:0 gegen Freiburg zog Mainz dem HSV am Montag auf acht Punkte davon und verschärfte die Situation der Hamburger im Abstiegskampf. Heiß diskutiert wird weiter über die Führung des FSV durch einen Handelfmeter nach Videobeweis, auf den Schiedsrichter Guido Winkmann entschied, als die Freiburger den Platz schon verlassen hatten und in der Kabine waren.“ UEFA-Präsident Aleksander Ceferin meldete sich nun in der „Gazzetta dello Sport“ zu Wort: „Ich habe lustige Szenen in Deutschland gesehen!“ Und weiter: „Ich habe Angst um die WM, weil wir Schiedsrichter haben, die nie mit dem Video-Beweis direkt gearbeitet haben.“

Der SC Freiburg hat den Halbzeit-Videobeweis inklusive Elfmeter im Spiel bei Mainz 05 scharf kritisiert, wird die 0:2-Niederlage aber nicht anfechten. „Nach reiflicher Überlegung hat sich der SC Freiburg dazu entschieden, keinen Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen, um die volle Konzentration auf die kommenden wichtigen Spiele richten zu können““ teilte der Tabellen-16. in einer Stellungnahme mit.

Verrückte Szene in Mainz. Der FSV führt nach 45 Minuten im Kellerduell gegen Freiburg mit 1:0, dabei waren die Freiburger beim Stand von 0:0 schon zur Halbzeitpause in der Kabine. Schiedsrichter Guido Winkmann holte sie wieder raus. Der Grund: Per Videobeweis wurde auf Elfmeter für Mainz entschieden. Kempf hatte einen Schuss von Brosinski kurz vor der Pause mit der Hand abgefälscht. Den Strafstoß verwandelte De Blasis. Nun führt Mainz und steht aktuell acht Punkte vor dem HSV.

Hätte der Videoschiedsrichter beim Ausgleich des HSV in Leipzig eingreifen müssen? Nach Ansicht der TV-Bilder stand Filip Kostic wohl knapp im Abseits. Bremen wurde derweil später beim 0:0 gegen Berlin ein Tor wegen des Videobeweises aberkannt. Werder-Stürmer Max Kruse schäumte deswegen: „Gang unabhängig von unserem Spiel: Das beste Beispiel für den Videobeweis ist der Treffer der Hamburger heute. Da hat jeder gesehen, was das für ein Szenario ist. Wir können damit nicht arbeiten.“

Der Videobeweis sorgt zwar für hitzige Diskussionen, bleibt aber vorerst bestehen. Wolfgang Stark aus dem bayrischen Ergolding, der seine aktive Schiedsrichter-Karriere im vergangenen Sommer beendete, sitzt in Köln vor dem Bildschirmen und unterstützt Referee Robert Hartmann bei der Leitung der Partie zwischen Schalke und dem HSV.

Der geplante Vorstoß von DFB-Präsident Reinhard Grindel, auch den Fans in den Stadien auf der Videowand strittige Szene zu zeigen, die zum Videobeweis führen, geht ins Leere. Das berichtet „Sport Bild“ vor einem für die nächste Woche vom DFB geplanten Treffen mit Bundesliga-Managern in Frankfurt. Hauptgrund sind technische Schwierigkeiten. Bei einem Meeting der für die Regie in den 18 Stadien Verantwortlichen wurde einhellig festgestellt: Es ist nicht möglich, das TV-Signal mit der Kamera-Einstellung, die Grundlage für das Einschreiten des Video-Assistenten im DFL-Kontrollzentrum in Köln ist, innerhalb kürzester Zeit auf die Videowände zu übertragen. Auch wurde auf die Gefahren hingewiesen: Werde etwa die falsche Kamera-Einstellung gewählt, aus der nicht klar hervorgeht, dass eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorlag, die vom Video-Assistenten berechtigt korrigiert wurde, könne das Verärgerung bei den Fans auslösen. Gleiches gelte, wenn etwa eine Schwalbe wie im Fall von HSV-Profi Kyriakos Papadopoulos in Köln (3:1) durch die Technik entlarvt werde. Grindel hat sich zuletzt für den Videobeweis auf den Stadien-Videowänden ausgesprochen: „Das wäre als Beitrag zur Transparenz wichtig. Ich denke, dass wir darüber jetzt auch noch einmal diskutieren.“

Am Sonnabend spielte der Video-Assistent auch während der Partie des HSV gegen Stuttgart (3:1) eine Hauptrolle, sprach dem VfB einen Elfmeter zu, der zum Ausgleich führte. Nun hat der DFB den früheren FIFA-Referee Hellmut Krug als Projektleiter des Videobeweises abgesetzt. Damit reagiert der Verband auf danhaltende Kritik, die am Wochenende in Manipulationsvorwürfen gegen den 61-Jährigen gipfelte. Die Entscheidung fiel heute während einer DFB-Sitzung mit Präsident Reinhard Grindel, dem für das Schiedsrichterwesen zuständigen Vizepräsidenten Ronny Zimmermann sowie den Schiedsrichter-Bossen Krug, Herbert Fandel und Lutz Michael Fröhlich, der bis auf Weiteres Krugs Aufgaben übernimmt. 

Der Videobeweis war an den ersten Spieltagen der Bundesligasaison das heiße Gesprächsthema unter Protagonisten und Fans. Auch bei Spielen des HSV wurden einige Entscheidungen erst in der Zentrale in Köln nach Ansicht von Zeitlupen getroffen. Karl-Heinz Rummenigge hat in der Diskussion nun einen neuen Vorstoß gemacht. Der Vorstand des FC Bayern forderte, dass die Bilder, die dem Video-Assistenten für die Beurteilung relevanter Szenen zur Verfügung stehen, künftig auch auf der Stadion-Leinwand zu sehen sind. „Wer hätte denn Angst davor?“, fragte Rummenigge gestern beim 1. Bundesliga-Zukunftsgipfel in Köln. „Warum sollen die Zuschauer im Stadion nicht das sehen, was die Zuschauer zu Hause auch sehen? Das wäre doch kein Problem.“

Dem Videobeweis droht in der Bundesliga ein schnelles Ende. Nach den massiven technischen Problemen zum Saisonstart hält Projektleiter Hellmut Krug bei weiteren Pannen einen Abbruch der Testphase für möglich. „Wir können nicht Wochen und Wochen so weitermachen. Vor allem für Schiedsrichter ist das unzumutbar“, sagte der Schiedsrichter-Manager des DFB bei Sky. „Wenn es weiterhin so läuft, müssen wir uns etwas anderes überlegen.“ Am ersten Spieltag konnte der neue Videoassistent in einigen Spielen nur teilweise oder gar nicht zum Einsatz kommen, darunter auch in Hamburg bei der Partie HSV gegen Augsburg (1:0).