- 06.05.2020

In Unterzahl! Niko Kovac lässt die Titelträume des HSV platzen


Mit seinem Treffer lässt Niko Kovac die Titelhoffnungen des HSV platzen. (Foto: Witters)

Auch in dieser Saison träumt der HSV vom Titel – wenn auch eine Klasse tiefer als noch vor 14 Jahren. Am vorletzten Spieltag muss der HSV damals nach Berlin zu Hertha BSC. Die Meister-Konkurrenz aus München trat beim Abstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern an und Verfolger Werder Bremen läuft bei dem fast schon abgestiegenen 1. FC Köln auf.

Ein Sieg noch – dann ist dem HSV das Champions-League-Ticket nicht mehr zu nehmen und die Meisterschaft rückt in greifbare Nähe. Die erste von zwei Chancen bietet sich am 6. Mai 2006 im Berliner Olympiastadion. Die Gastgeber brauchen dringend Punkte, um sich die Option UI-Cup offenzuhalten. Die kurze Abtastphase endet abrupt, als Thimothee Atouba einen indirekten Freistoß für Piotr Trochowski ablegt. Der spätere Nationalspieler hält aus gut 30 Metern drauf, das Leder zischt unhaltbar an der Mauer und Hertha-Keeper Christian Fiedler vorbei ins Tor (10.).

Doch die Berliner Antwort folgt im Gegenzug. Andreas „Zecke“ Neuendorf steckt durch auf Marcelinho, der den Ball im Zweikampf mit HSV-Schlussmann Sascha Kirschstein verstolpert. An der Strafraumkante lauert Neuendorf, der ihn aus 17 Metern ins leere Tor drischt. Mehdi Mahdavikia versucht noch auf der Linie mit dem Kopf zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Ausgleich, die Titelhoffnungen des HSV sind fürs Erste wieder begraben. Aber auch der HSV zeigt sich unbeeindruckt von dem frühen Rückschlag und profitiert von einem krassen Aussetzer der Berliner. Gilbertos Rückgabe auf Fiedler ist viel zu kurz, Benjamin Lauth spritz dazwischen und stellt auf 2:1 (19.) – der HSV ist wieder vorne in einer verrückten Anfangsphase.

Kurz vor der Halbzeit folgt dann erneut ein Dämpfer für die HSV-Euphorie. Khalid Boulahrouz, der sich mit einer Magenschleimhautentzündung durch das Spiel gekämpft hatte, muss vorzeitig vom Platz. Ihn ersetzt Daniel van Buyten. Mit der Führung geht es in die Pause und der HSV darf träumen. Zwar führt Werder bereits mit 3:0 gegen Köln, aber die Bayern schwächeln. Auf dem Betzenberg führt der Underdog aus Kaiserslautern mit 1:0 und auf einmal sind es nur noch zwei Punkte, die den HSV vom Rekordmeister trennen.

Kurz nach Wiederanpfiff verpasst Sergej Barbarez nur knapp das dritte Tor. Sein Kopfball klatscht von der Latte wieder ins Spielfeld (49.). Vorne verpasst der Bosnier die Vorentscheidung – und hinten lässt er dann Alexander Madlung nach einem Freistoß zu leicht zum Kopfball kommen. Der Abwehrhüne nickt aus 12 Metern zum Ausgleich ein (55.).

Der HSV drückt und erneut verteilt Hertha Geschenke. Neuendorf lässt sich ohne gegnerische Einwirkung im Strafraum fallen. Doch der plumpe Versuch, einen Strafstoß zu schinden, wird von Schiedsrichter Wolfgang Stark mit Gelb geahndet. Es ist seine zweite Gelbe – und damit muss er nach einer Stunde bereits vorzeitig unter die Dusche. Wider Erwarten sind es aber die Gastgeber, die in der Folge des Platzverweises in Unterzahl das Kommando übernehmen. Die HSV-Mannschaft von Trainer Thomas Doll zeigt plötzlich Schwächen, die längst überwunden schienen. Erneut bring ein Marcelinho-Freistoß den Erfolg. Am zweiten Pfosten lauert Ex-Hamburger Niko Kovac, der per Flugkopfball aus fünf Metern das Leder an Kirschstein vorbei köpft (69.).

Und es kommt noch schlimmer: Nur wenige Momente später scheitert Gilberto an Kirschstein, Marko Pantelic steht richtig und staubt ab (73.). Das 4:2 – und der Deckel ist drauf. Im Parallelspiel gelingt den Bayern noch der Ausgleich, aber der Titel ist mit der Niederlage in Berlin ohnehin nicht mehr drin für den HSV. Von hinten spürt man nun auch noch den heißen Atem der Verfolger aus Bremen, die sich mit einem 6:0 bereits für das direkte Duell am letzten Spieltag im Volkspark warmschießen.

Trotz der bitteren Pleite gibt sich Coach Thomas Doll nach Abpfiff optimistisch: „Wenn mir vor der Saison jemand ein Endspiel um Platz 2 versprochen hätte, hätte ich sofort unterschrieben.“ Er richtet bereits den Blick auf das Spiel gegen Werder – doch auch das Saisonfinale soll schiefgehen. 1:2 verliert der HSV vor heimischem Publikum und muss den Umweg über die Champions-League-Qualifikation nehmen, um sich am Ende dann aber doch noch für die Königsklasse zu qualifizieren. (mab)

Aufstellung HSV: Sascha Kirschstein – Mehdi Mahdavikia, Khalid Boulahrouz (39. Daniel van Buyten), Bastian Reinhardt, Thimothee Atouba (72. Mustafa Kucovic) – Guy Demel, David Jarolim, Piort Trochowski, Sergej Barbarez – Benjamin Lauth, Ailton

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