25. August 2017: Der HSV gewinnt nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen den FC Augsburg auch das zweite Saisonspiel beim 1. FC Köln mit 3:1. Für eine Nacht sind die Hamburger Bundesliga-Tabellenführer.
28. Oktober 2017: Drei Monate und acht sieglose Punktspiele später folgt die große Ernüchterung: Die Mannschaft ist mittlerweile Tabellen-16. – der Abstiegskampf hat den HSV wieder.
26. November 2017: Die Hoffnung auf bessere Zeiten erhalten durch die überzeugenden Heimsiege gegen Stuttgart (3:1) und Hoffenheim (3:0) neue Nahrung. Der HSV rückt immerhin auf Rang 15 vor.
21. Januar 2018: Trainer Markus Gisdol wird nach der 0:2-Heimpleite gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln freigestellt. Einen Tag später stellt der Tabellen-17. Bernd Hollerbach als Nachfolger vor.
18. Februar 2018: Bernd Hoffmann wird als Nachfolger von Jens Meier zum neuen Präsidenten des HSV e.V. gewählt. Dadurch gehört der frühere Vorstandsvorsitzende automatisch dem Aufsichtsrat an.
08. März 2018: Der HSV-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Hoffmann stellt Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt frei. Vorstand Frank Wettstein übernimmt die Geschäfte.
12. März 2018: Nach sieben weiteren sieglosen Partien wird Hollerbach schon wieder beurlaubt. Neuer Hoffnungsträger auf der Trainerbank ist der bisherige U21-Erfolgscoach Christian Titz.
18. März 2018: Mittelfeldspieler Walace streikt, will nicht in die Innenverteidigung. Da er das Berlin-Spiel auch nicht von der Tribüne aus verfolgt, wird Walace degradiert und muss in der U 21 trainieren.
18. März 2018: Der HSV verliert trotz einer guten ersten Halbzeit auch unter Neu-Trainer Titz sein Heimspiel gegen Hertha BSC (1:2). Der 1. FC Köln zieht an den Hamburgern vorbei. Der HSV ist Letzter.
26. März 2018: Die geplante Walace-Rückholaktion zu den Profis entfällt. Denn der Brasilianer reist nach Mailand und postet Bilder, statt zu trainieren. Folge: Walace bleibt bis Saisonende bei der U21.
07. April 2018: Nach 15 Spielen ohne Dreier gelingt im dritten Match unter Titz gegen Schalke (3:2) wieder ein Sieg. Der HSV hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und hofft als 17. wieder.
05. Mai 2018: Titz setzt auf den Nachwuchs und eine neue Spielidee – mit Erfolg: Nach zwei weiteren Siegen ist der Anschluss da, die Fans stehen wieder hinter ihrem Team.
12. Mai 2018: Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach reicht nicht. Im Fernduell verteidigt der VfL Wolfsburg den Relegationsrang. Der Endspurt unter Titz kam zu spät. Nach 55 Jahren ist für den HSV in der Bundesliga Schluss. Immerhin: Titz darf als Coach den Neuaufbau angehen – für die schnelle Rückkehr in die Bundesliga.

Was hat sich geändert, seit Christian Titz vor dem 26. Spieltag übernommen hat, was Markus Gisdol (1. bis 19. Spieltag) und Bernd Hollerbach (20. bis 25. Spieltag) angefangen oder fortgesetzt hatten? Klar, der HSV holte zehn Punkte in sechs Spielen und darf plötzlich wieder auf den Klassenerhalt hoffen. Die „Sport Bild“ hat die Daten der Hamburger Trainer dieser Saison miteinander vergleichen.

Punkte pro Spiel: Titz 1,7, Hollerbach 0,4, Gisdol 0,8

Spielanteile: Titz 55 Prozent, Hollerbach 46 Prozent, Gisdol 47 Prozent

Laufstrecke pro Spiel: Titz 123,4 km, Hollerbach 119,2 km, Gisdol 114,5 km

Gewonnene Zweikämpfe: Titz 50,4 Prozent, Hollerbach 48,0 Prozent, Gisdol 48,8 Prozent

Pässe pro Spiel: Titz 427, Hollerbach 321, Gisdol 290

Passquote: Titz 81,4 Prozent, Hollerbach 76,4 Prozent, Gisdol 76,6 Prozent

Torschüsse pro Spiel: Titz 12, Hollerbach 10, Gisdol 12

Torschüsse pro Tor: Titz 8, Hollerbach 23, Gisdol 16

Torschüsse des Gegners pro Spiel: Titz 13, Hollerbach 14, Gisdol 13

Im September 2014 wechselte Lewis Holtby vom FC Fulham nach Hamburg, spielte unter Mirko Slomka, Joe Zinnbauer, Bruno Labbadia, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach, die er nach dem 3:1 beim VfL Wolfsburg allesamt hart kritisierte, während er gleichzeitig Christian Titz lobte: „Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball. Das sind harte Töne, aber ich stehe dazu, weil es die Wahrheit ist. Wir sind mutig, wir trauen uns etwas zu, wir werden torgefährlich. Das ist Fußball. Wenn der Ball dein Freund ist, geht vieles leichter“, sagte Holtby im ZDF.

Es sah nach einem ebenso leisen wie traurigen Abschied vom HSV aus. Weder Markus Gisdol noch Bernd Hollerbach hatten in ihrem Spielsystem Verwendung für Lewis Holtby, der jedoch unter Christian Titz aufblüht und dem Liga-Dino mit drei Treffern in den letzten vier Spielen plötzlich wieder Hoffnung auf die Rettung machten. Der Trainer ist happy über diese Entwicklung: „Es freut mich vor allem für das Team, dass Lewis so gute Leistungen zeigt. Weil er mit seinen Toren und seiner Art, wie er in die Spiele reingeht und vorangeht mit seinen Emotionen sehr hilfreich ist.“

 

Einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des HSV hat Josha Vagnoman schon sicher: Am 10. März machte ihn Bernd Hollerbach zum jüngsten Bundesligaspieler des Liga-Dinos aller Zeiten, beim FC Bayern (0:6) wurde er im Alter von 17 Jahren und 89 Tagen eingewechselt. Am Sonnabend gegen den SC Freiburg könnte Vagnoman als jüngster von Beginn an aufgestellte Spieler in die Historie des HSV eingehen, dann ist er 17 Jahre und 131 Tage alt. Trainer Christian Titz muss die Abwehrkette wegen der Sperre von Douglas Santos umbauen. Über Vagnoman sagt er: „Ich würde ihn ohne Bedenken bringen. Er trainiert seit Wochen bei uns, hinterlässt einen guten Eindruck und bringt viel Qualität mit.“ Eine Entscheidung hat der HSV-Coach aber noch nicht getroffen: „Wir werden die Trainingseindrücke abwarten.“

Was haben Jens Todt, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach gemeinsam? Sie wurden beim HSV im Frühjahr gefeuert, kassieren aber weiter ab. Laut „Bild“ hat Vorstand Frank Wettstein mit Ex-Sportchef Todt vereinbart, dass er sein Gehalt bis zum Vertragsende am 31. Dezember ausgezahlt bekommt. Mit den geschassten Trainern will der HSV-Boss über Auflösungen der Arbeitspapiere verhandeln. Allerdings haben beide einen Vertrag bis 2019, der auch bei einem Abstieg in die Zweite Liga gültig wäre. Es wird also teuer.

War’s das für Mergim Mavraj beim HSV? Im Januar 2017 kam er für 1,8 Millionen Euro vom 1. FC Köln, unterschrieb einen Vertrag bis 2019 und half mit, den Abstieg zu verhindern. Auch zu Beginn der laufenden Saison war der Albaner bei Markus Gisdol gesetzt, stand 17 Mal in der Startelf. Nachfolger Bernd Hollerbach leitete den Absturz ein, nur in zwei der sieben Spiele unter der Regie des Trainers kam er zum Einsatz. Bei Christian Titz wurde er nun endgültig aussortiert. Übrigens: Mavraj darf in der U21 nicht am Spielbetrieb teilnehmen, sondern lediglich trainieren.

Vereins-Idol Felix Magath bietet dem HSV ein weiteres Mal seine Hilfe an. „Ich wäre immer bereit, für den HSV auch schwierigere Jobs zu übernehmen“, sagte der 64-Jährige den „Oberpfalz-Medien“. Aber: „Man hat mich nicht gefragt.“ Die Entlassung seines früheren Assistenten Bernd Hollerbach nach nur sieben Spielen als HSV-Chefcoach sei „natürlich ein Witz“, Hollerbach habe „gute Arbeit“ geleistet, jedoch leider keine guten Ergebnisse erzielt.