Pünktlich zum Saisonfinale zaubert der HSV einen Torgarant aus dem Hut. Nicolai Müller feiert nach seinem Kreuzbandriss am ersten Spieltag gegen Augsburg sein Comeback im Kader. Der Flügelflitzer hatte sich am 19. August bei einem Torjubel die schwere Knieverletzung zugezogen.Ob der Angreifer gegen Frankfurt zum Einsatz kommen wird, ist allerdings völlig offen. Denn der HSV reist mit 19 Spielern zur Eintracht, für den Spieltagskader muss sich Titz ohnehin noch von einem weiteren Spieler verabschieden. Nicht in den 19-Mann-Kader haben es derweil Fiete Arp (spielt A-Jugend gegen Bremen), Bjarne Thoelke, Vasilije Janjicic und Mo Gouaida (alle für die U21 im Einsatz) sowie Sven Schipplock und André Hahn (Leistungsgründe) geschafft.

Nicolai Müller hat sich in der Halbzeitpause bei „Sky“ zu seinen Comeback-Chancen geäußert. Es sei sein Ziel, in dieser Saison noch eingreifen zu können. „Es fühlt sich wieder gut an, ich freue mich, dass ich wieder so viele Sachen machen kann“, sagte der 30-Jährige, der die ersten 45 Minuten gegen Freiburg so analysierte: „Wir hatten einen guten Start, haben uns dann aber zurückgezogen und hatten dann Glück, dass unser Torwart uns im Spiel hält. Er macht das sehr, sehr gut.“ Trainer Christian Titz werde „jetzt die richtigen Worte finden und die Jungs noch mal heiß machen“. Ob theoretisch noch die Möglichkeit bestehe, ihn auch in der kommenden Saison im HSV-Trikot zu sehen, wollte Müller nicht eindeutig beantworten: „Ich habe mir darüber keine Gedanken mehr gemacht. Mein Ziel ist es, fit zu werden und der Mannschaft noch mal zu helfen.“

Im Training zeigte er schon wieder seine Qualitäten im Abschluss: Wird Nicolai Müller im Kampf gegen den Abstieg noch mal eine Option für den HSV? „Wir müssen nach wie vor sehr vorsichtig sein“, bremst Trainer Christian Titz die Erwartungen. „Das entscheidet sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Manchmal dauern Dinge länger, manchmal geht es aber auch ganz schnell. Das hängt jetzt wirklich davon ab, wie das Knie reagiert.“ Groß ist die Hoffnung des Trainers auf ein zeitnahes Comeback allerdings nicht. „Er ist noch in den Anfängen. Er kann kein volles Mannschaftstraining mitmachen, wir bauen ihn nur situativ ein. Das ist schon noch ein Stück hin“, erklärte Titz. Einen Termin für eine Rückkehr habe man „auch intern nie direkt festgelegt. Wir hoffen, dass er schnell gesund wird, aber wir geben ihm die Zeit, die er benötigt“. Auch auf Nachfrage wollte sich Titz nicht konkreter äußern. „Ich weiß es nicht. Am Samstag könnte er nicht spielen. Über die Zeit danach kann man erst nachdenken, wenn er voll das Mannschaftstraining mitmachen kann. Ich will mich auf nichts festlegen. Die Zeit muss unser Ratgeber sein.“ Vielleicht erhält Müller ja einmal mehr die Chance, in der Relegation zum Helden zu werden. Titz sagte: „Ich habe nichts dagegen, wenn wir in die Relegation kommen.“

Bernd Hollerbach hatte kurz vor seiner Entlassung noch erklärt, dass er in Kürze wieder mit Nicolai Müller rechne. Trainer Christian Titz tritt allerdings auf die Bremse. „Es sieht ganz gut aus. Trotzdem war klar, dass er noch zwei, drei Wochen an Zeit benötigen wird“, sagt Titz. „Die Belastungen werden sukzessive gesteigert. Es hält alles, aber er ist noch nicht so weit, dass er bereit wäre, mit der Mannschaft zu trainieren.“ Er gab zu verstehen, dass er Müller auf keinen Fall unter Druck setzen wolle, indem er einen Termin für eine Rückkehr nennt. „Ich erwarte da gar nichts und will mich überhaupt nicht festlegen. Bei der Verletzung kann man das nie genau sagen.“

Albin Ekdal ist von der schwedischen Nationalmannschaft wieder zurückgekehrt. Der Dauer-Patient des HSV wurde in Solna von den Team-Ärzten untersucht, wohnte zudem den Besprechungen hinsichtlich der WM-Planungen bei. Heute soll der 28-Jährige, der zuletzt im Reha-Zentrum geschwitzt hatte, ins Teamtraining des HSV (ab 15 Uhr) zurückkehren. Bei Nicolai Müller ist nach seinem Kreuzbandriss eine Rückkehr ins Mannschaftstraining noch nicht in Sicht.