Sportchef Becker: Darum trennt sich der HSV von Trainer Wolf

Vorstands-Boss Bernd Hoffmann teilte am Dienstag mit, dass man nicht über, sondern mit Hannes Wolf reden werde. Am Dienstag berichtete Sportvorstand Ralf Becker, der Trainer sei längst darüber informiert, dass der HSV-Vorstand ihn entlassen und „etwas anderes machen“ wolle. Und Wolf? Er schwieg – bis heute! Bei der PK vor dem Spiel am Dienstag sprach der HSV-Coach auf Abruf. Und auch Sportvorstand Becker sitzt auf dem Podium.

Becker: Die Entwicklungen der vergangenen Tage haben dazu geführt, dass wir die PK zusammen machen. Nach dem Ingolstadt-Spiel haben Bernd Hoffmann, Michael Mutzel, Hannes Wolf und ich ein offenes und ehrliches Gespräch geführt. Wir waren uns einig, in der Konstellation den Aufstieg zu schaffen. Die Ergebnisse haben aber dann leider nicht gestimmt. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Hannes Wolf ein sehr guter Trainer ist. Er hat sich für diese Woche eine Entscheidung gewünscht – und wir haben uns entschieden, dass wir uns am Saisonende trennen werden.

Wolf: Die letzten Wochen waren heftg – und sportlich natürlich nicht gut. Wir sitzen zusammen hier, weil wir extrem vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, es gab eine sehr gute Basis. Das bringen wir sauber zu Ende, natürlich haben wir es uns anders gewünscht. Die Entscheidung des Vorstands ist für mich auch nachvollziehbar.

Wolf: Ich weiß nicht, ob das zu einer Delle in meiner Karriere führt. Als ich gekommen bin, habe ich an unsere Chance geglaubt. Aber wir haben in der Hinrunde am Limit gespielt, das ist uns in der Rückrunde nicht mehr gelungen. Ich wünsche mir jetzt einen vernünftigen Abschluss gegen Duisburg. Unter dem Strich ist es eine Niederlage für mich, für uns alle beim HSV.

Wolf: Es wird einen großen Umbruch geben, auch geben müssen. Erneut mit der klaren Vorgabe Aufstieg. Ich halte das für problematisch, weil ich es für sinnvoll halten würde, sich erst mal zu stabilisieren. Aber so tickt der HSV. Ich verstehe das und bin auch nicht beleidigt.

Becker: Wir gehen mit der klaren Zielsetzung in die Saison, um aufzusteigen. Wir wissen noch nicht, wie die Mannschaft genau aussehen wird, aber wir werden hart arbeiten, um eine richtig gute Truppe auf den Platz zu stellen.

Wolf: Die Ankündigung, dass wir bei einem Nicht-Aufstieg reden müssen, hat für mich überhaupt nichts verändert. Ich bin ja kein Idiot, das ist doch klar. Ich war weiter total fokussiert und wollte unbedingt aufsteigen. Aber wir haben uns sehr schwer getan, Tore zu schießen, haben dann auch noch den Gegnern Tore geschenkt. Dann wurde es natürlich wild.

Becker: Ich habe immer gesagt, dass ich Teil der Mannschaft bin. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen – und zuletzt haben wir viel verloren. Da gehöre ich dazu. Aber jetzt ist es meine Aufgabe, nach vorne zu schauen, einzugreifen und den Kader neu aufzustellen. Wenn die Saison läuft, ist das begrenzt, jetzt werde ich viele Dinge angehen.

Becker: Ich kann mich als Vorstand Sport nicht hinstellen und sagen, dass wir Fünfter werden wollen. Das ist für den HSV nicht darstellbar. Das Ziel ist ganz klar definiert: Wir wollen aufsteigen. Dafür werden wir die Mannschaft verändern, mit einer klaren Hierarchie und einer Achse von Führungsspielern, an denen sich unsere jungen Spieler orientieren können.

Becker: Bernd Hoffmann und ich sind nicht immer einer Meinung, aber wir sitzen in einem Boot, haben alles ausgeräumt und werden gemeinsam die Entscheidungen im Sinne des HSV treffen.

Wolf: Wir saßen im Winter zusammen, haben sehr intensiv über den Kader diskutiert. Wir sind die Positionen durchgegangen und hatten schon das Gefühl, dass wir Optionen haben, dass wir auf Verletzungen und Formschwächen reagieren können. Aber es kam nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Diese Einschätzung war falsch, auch von mir, obwohl ich der Argumentation von damals noch immer folgen kann. Es ist zu viel weggebrochen, auf dass wir uns verlassen haben.

Becker: Es geht heute darum, die Trennung bekanntzugeben. Am Sonntag wollen wir uns noch einmal richtig gut präsentieren gegen Duisburg und die Saison mit Anstand zu Ende spielen. Alles andere, auch das Thema neuer Trainer, dann ab Montag.

Wolf: Wir haben uns im völlig falschen Moment eine viel zu lange Krise genommen. Das darf in dieser Liga nicht passieren, dafür sind die Spiele zu ausgeglichen.

Wolf: Es werden gegen Duisburg viele junge Leute auf dem Platz stehen, da müssen wir noch mal Gas geben. Ich werde diesem Klub auch in Zukunft die Daumen drücken und sauber durch das letzte Spiel gehen. Es gibt bessere Konstellationen, aber ich werde es mit Würde gestalten. Das ist selbstverständlich und das werde ich auch machen.

Becker: Dass man nach einem Spiel wie gegen Ingolstadt zusammensitzt und ganz offen über die Situation vor den beiden abschließnden Partien spricht, halte ich für völlig normal. Das ist der richtige Ansatz, das sehe ich nach wie vor so.

Wolf: Wir hatten am Ende nicht die Substanz und die Konstanz, um am Ende oben zu stehen. Und dann bleibt man eben auch verdient in der Zweiten Liga.

Becker: Wir haben gemeinsam besprochen und berschlossen, dass wir keine offizielle Verabschiedung der Spieler machen, die den HSV verlassen. Das wird intern aber natürlich gemacht.

Becker: Der Transfer von Filip Kostic wurde heute offiziell vermeldet. Aber ich kann ausschließen, dass der Betrag komplett in die Mannschaft fließt.

Wolf: Der HSV ist ein fantastischer Verein. Es ist jetzt am Ende scheiße gelaufen, aber man weiß nie, was die Zukunft bringt.